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360° Tour durch den Bochumer Bruch

Klettergeschichte im Bochumer Bruch


Der Bochumer Bruch ist inzwischen seit einigen Jahren zum Klettern freigegeben. Nach einer zweijährigen Probephase, in der ausschließlich die Wand im Osten beklettert werden durfte, hat der DAV 2006 auf der Basis eines Naturschutzvertrages ein Nutzungsrecht für den Steinbruch erhalten.

 

Diese Entwicklung war nicht selbstverständlich: In den 90er Jahren hatte das Klettern an "echten Felsen" in Nordrhein-Westfalen an Popularität verloren. Die Sperrungen in der Nordeifel, an den Bruchhauser Steinen, im Hönnetal und an der Hohensyburg führten dazu, dass viele Kletterer am Wochenende in die Fränkische oder in die Pfalz auswichen und deshalb die Felsen in Arco, Buoux oder Belgien besser kannten als die heimischen Gefilde.

 

In dieser Situation schlossen sich eine Hand voll Kletterer mit einer tiefsitzenden Aversion gegen Plastikgriffe zusammen, um an der frustrierenden Lage etwas zu ändern. Der leider inzwischen verstorbene Martin Arnswald, Ideengeber und wichtigster Erschließer des Bochumer Bruchs, schilderte im Jahr 2004 die erste Zeit so:

 

„Als wir mit dem Projekt begannen, standen unsere Chancen exakt bei Nullkommanull. Schließlich gelang es dann aber doch, den Eigentümer Rheinkalk für das Vorhaben zu gewinnen. Und noch viel wichtiger war, dass es durch viele Gespräche mit den zuständigen Fachbehörden gelang, diese davon zu überzeugen, dass es im Bochumer Bruch möglich ist, naturverträglich zu klettern. Grundlage hierfür waren verschiedene Untersuchungen, von unabhängiger Seite erstellte ökologische Gutachten und eine daran angepasste Kletterkonzeption.

 

Und wenn die Arbeit in den letzten Jahren auch über lange Strecken von viel Frust geprägt war, so motivierte uns immer die Tatsache, dass die Vertreter der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Mettmann unvoreingenommen und auf der Basis von Fakten, nicht von Emotionen, die Sache begleiteten. Dies gilt im Übrigen auch für Mitglieder der ehrenamtlichen Naturschutzverbände, die in der Patenschaft des DAV über das Gebiet einen Gewinn für den Naturschutz und eine langfristige Sicherung erkannt haben.“

 

Inzwischen hat sich die Kletterkonzeption für den Bochumer Bruch bewährt. Wenn sich die Kletterer zum Schutz der Natur auch an eine Vielzahl von Regeln halten müssen, so wird deren Notwendigkeit - insbesondere die Besucherbegrenzung - doch anerkannt. Das Klettergebiet ist zu einer festen Größe geworden und hat durch die Erschließung eines Teils der Drei Zinnen noch an Attraktivität hinzu gewonnen.

 

Das Konzept geht auf: Seit der Eröffnung des Klettergebiets hat das dort heimische Uhupärchen jedes Jahr Nachwuchs aufgezogen, und auch die wilden Nutzungen in der sensiblen Bruchsohle kommen so gut wie nicht mehr vor. Durch behördlich abgestimmte Pflegemaßnahmen wirken die Kletterer am Schutz der örtlichen Fauna und Flora mit.

 

Der Kompromiss im Bochumer Bruch hat sich in NRW positiv auf die Diskussion zwischen Kletterern, Behörden und Naturschutzverbänden ausgewirkt, so dass der Klettersport in der Natur auch anderenorts seit einiger Zeit wieder Aufwind bekommt: Vor allem im Sauerland ist es engagierten Kletterern gelungen, bei einigen Steinbrüchen und Naturfelsen im Einvernehmen mit den Naturschutzbehörden zu Kletterregelungen zu kommen, mit denen beide Seiten gut leben können.