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360° Tour durch den Bochumer Bruch

Kein Seilriss an eingeschliffenen Umlenkern!



Der Umlenker am Stand von "Miss Piggy": Keine Gefahr!

Ein Seilriß durch eingeschliffene Karabiner kann nicht an Umlenkern vorkommen, sondern nur in ganz speziellen Situationen an fixierten Zwischensicherungen. Bei einem Umlenk-Karabiner erfolgt das Einschleifen halbkreisförmig, entsprechend des von unten rein- und wieder nach unten herauslaufenden Seiles. In Laufrichtung des Seiles entstehen dabei keine scharfen Kanten, diese können höchstens bei sehr stark eingeschliffenen Karabinern rechts und links des Seiles entstehen. Einen Seilriß können diese Kanten aber trotzdem nicht erzeugen, denn das Seil läuft nicht direkt über diese Kanten, sondern nur an ihnen entlang, das ist nicht sicherheitsrelevant.

Wie stark darf ein Karabiner eingeschliffen sein, bevor er ausgetauscht werden muß?

Die Fachleute sagen: die schwächste Stelle des Karabiners ist die Karabinernase, dort ist das Material am dünnsten. Erst wenn an der eingeschliffenen Stelle weniger Material übrig ist als an der Karabinernase, nimmt die Sicherheit ab! Schaut euch das mal praktisch an: an der Karabinernase sind maximal 30% bis 40% der Materialstärke der Rundung, durch die das Seil läuft. Theoretisch dürfte der Umlenk-Karabiner also zu weit mehr als der Hälfte durchgeschliffen sein und wäre immer noch völlig unbedenklich, obwohl er schon absolut kriminell aussieht. Der Karabiner, der auf dem Foto abgebildet ist, hat mindestens noch 80 % der ursprünglichen Stärke, ist also völlig unbedenklich. Schon lange vor Erreichen der halben Materialstärke wird jeder Umlenker im Bochumer Bruch getauscht, zumindest kenne ich bisher noch keinen Fall, in dem wir es vergessen hätten, rechtzeitig zu tauschen. Falls ihr einen seht, meldet es uns.

Wann kann ein Seil im Karabiner reißen?

Für die Entstehung gefährlich scharfer Kanten muss ein Karabiner einer Zwischensicherung über längere Zeit durch fast gerade durchlaufende, unter Belastung gespannte Seile eingeschliffen werden, immer unter voller Zugbelastung und immer in der gleichen Position, das gibt es nur bei fixierten Expressschlingen und stark frequentierten Top-Sportkletterrouten. Die (verschmutzten) Seile wirken dann wie eine Feile und kerben den Karabiner sehr weit ein. Wenn dann ein Sturz in genau diesen Karabiner erfolgt, kann die scharfe Kante, die quer zum Seilverlauf entstanden ist, den Mantel und den Seilkern durchtrennen. Im Bochumer Bruch gibt er nur in sehr wenigen Routen einige fixierte Expressschlingen, ausschließlich in Routen ab dem 8. Grad aufwärts. Wir können nicht sagen, ob diese Karabiner genau diesen Bedingungen ausgesetzt sind und appelieren an alle Hardmover, das Material, dem sie ihr Leben anvertrauen, vorher zu kontrollieren und im Zweifelsfall eigene Karabiner anstatt der fixierten zu benutzen.

Zum Original-Artikel aus "Berg und Steigen", Ausgabe 4 / 2012, Seite 44-50